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Dubai-Schokolade: kaufen oder selber machen?

Redaktion schokolade-test.de · Stand: Juli 2026

Kaum ein Süßwaren-Thema hat in den vergangenen Jahren so viele Suchanfragen ausgelöst wie die Pistazien-Schokolade mit der knusprigen Füllung. Der virale Höhepunkt ist inzwischen vorbei — geblieben ist eine Geschmacksrichtung, die es dauerhaft ins Sortiment geschafft hat. Und eine Menge Verwirrung: Warum heißt das Zeug im Regal plötzlich „Dubai Style“? Ist das noch das Original? Und lohnt sich das Selbermachen?

Was überhaupt drinsteckt

Das Vorbild ist ein Riegel namens „Can’t Get Knafeh of It“ der Chocolatiers von FIX Dessert Chocolatier in Dubai. Die Idee dahinter ist die Übersetzung eines nahöstlichen Desserts in eine Tafel Schokolade: Die Füllung besteht aus Pistaziencreme, geröstetem Kadayif — also den Teigfäden, die auch Künefe seine Textur geben — und einem Löffel Tahini, der die Süße bricht. Umhüllt wird das Ganze von Milchschokolade.

Der Reiz liegt im Kontrast: cremige Füllung, knuspriger Kern, weiche Schokolade außen. Genau dieser Knusper-Effekt ist auch der Grund, warum selbst gemachte Tafeln nicht ewig halten — dazu unten mehr.

Warum sie meist „Dubai Style“ heißt

Wer im Supermarkt genau hinsieht, findet fast nur noch Bezeichnungen wie „Dubai Style“ oder „nach Dubai-Art“. Das hat einen juristischen Grund.

Das Oberlandesgericht Köln hat am 27. Juni 2025 in mehreren Eilverfahren entschieden (unter anderem Az. 6 U 52/25), dass „Dubai-Schokolade“ als geografische Herkunftsangabe zu verstehen ist. Schokolade, die etwa in der Türkei produziert wird, darf demnach nicht unter diesem Namen verkauft werden — und es genügt auch nicht, das echte Herkunftsland kleingedruckt auf die Rückseite zu drucken. Nach Auffassung des Gerichts reicht es aus, dass ein relevanter Teil der Verbraucher mit dem Namen eine bestimmte Herkunft verbindet.

Die Folge im Regal: Hersteller weichen auf „Style“ aus, weil das die Machart beschreibt und keine Herkunft behauptet. Lindt etwa produziert seine Variante in der Schweiz und nennt sie deshalb konsequent „Dubai Style Chocolade“.

Einordnung: Diese Entscheidungen ergingen im einstweiligen Verfügungsverfahren. Ein rechtskräftiges Hauptsacheurteil oder eine höchstrichterliche Klärung durch den BGH ist uns nicht bekannt. Die Rechtslage kann sich also noch bewegen. Für dich als Käufer heißt das vor allem eins: „Dubai“ auf der Packung sagt nichts über die tatsächliche Herkunft aus.

Kaufen: worauf du achten solltest

Die Qualität der Fertigtafeln schwankt erheblich. Drei Dinge verraten viel:

Der Pistazienanteil der Füllung. Er ist das teuerste an dem Produkt und wird entsprechend oft gestreckt. Manche Hersteller geben ihn an — je höher, desto kräftiger der Geschmack. Wo nichts steht, lohnt der Blick in die Zutatenliste: Stehen Zucker und Pflanzenöl vor der Pistazie, dominiert nicht die Nuss.

Ob überhaupt Kadayif enthalten ist. Ohne die gerösteten Teigfäden fehlt der Knusper — und damit der ganze Witz. Es gibt Produkte, die nur mit Pistaziencreme gefüllt sind und trotzdem im Dubai-Stil vermarktet werden.

Die Herkunftsangabe. Nach dem oben beschriebenen Urteil ist Vorsicht angebracht bei Ware, die weiterhin „Dubai Schokolade“ heißt, ohne aus Dubai zu stammen. Produkte mit klarer Herstellerangabe und der Bezeichnung „Style“ sind die transparentere Wahl.

Zwei Beispiele für diese transparente Variante — beide werden in der Schweiz hergestellt und heißen deshalb konsequent „Style“:

Selber machen: das Grundrezept

Selbermachen lohnt sich vor allem, weil du den Pistazienanteil selbst bestimmst — und weil frisch geröstetes Kadayif knuspriger ist als alles Abgepackte.

Für zwei Tafeln brauchst du:

  • etwa 100 g Kadayif (Engelshaar)
  • 30 g Butter
  • 150 g Pistaziencreme
  • 1–2 TL Tahini (optional, aber empfehlenswert)
  • 300 g Schokolade oder Kuvertüre zum Ummanteln
  • eine tiefe Tafelform

Die beiden Zutaten, die man selten im Vorratsschrank hat, sind das Engelshaar und eine ordentliche Pistaziencreme:

So geht’s:

  1. Kadayif rösten. Die Teigfäden mit den Händen in kurze Stücke brechen. Butter in einer Pfanne schmelzen, die Fäden darin bei mittlerer Hitze goldbraun rösten — das dauert länger als man denkt, gut fünf bis acht Minuten, und ständiges Rühren ist Pflicht. Hier entscheidet sich der Biss. Anschließend vollständig abkühlen lassen.

  2. Füllung anrühren. Pistaziencreme mit dem Tahini verrühren, dann das abgekühlte Kadayif unterheben. Warme Fäden würden die Creme verflüssigen und weich werden.

  3. Form ausgießen. Schokolade schmelzen, etwa zwei Drittel davon in die Form geben und mit dem Pinsel oder Schaber an den Rändern hochziehen, sodass eine Mulde entsteht. Kurz kalt stellen, bis die Schicht fest ist.

  4. Füllen und schließen. Die Füllung einstreichen, dabei rundum einen schmalen Rand frei lassen. Restliche Schokolade darübergeben, glatt streichen und mindestens eine Stunde kühl stellen.

  5. Auslösen. Aus der Silikonform lässt sich die Tafel leicht herausdrücken, sobald sie vollständig durchgekühlt ist.

Der häufigste Fehler: zu helles Rösten. Blasses Kadayif schmeckt nach nichts und weicht schnell durch. Es darf ruhig kräftig gebräunt sein.

Lohnt sich das noch?

Als Trendprodukt ist die Sache durch — wer damit auffallen will, kommt zu spät. Als Geschmacksrichtung funktioniert die Kombination aus Pistazie, Sesam und knusprigem Teig aber unabhängig von jedem Hype. Und als selbst gemachtes Mitbringsel hat eine frisch gegossene Tafel weiterhin Wirkung, gerade weil die meisten nur die gekaufte Variante kennen.

Wenn du tiefer einsteigen willst: In unserem Ratgeber zum Kakaoanteil erfährst du, welche Schokolade sich zum Ummanteln eignet, und im Ratgeber zum richtigen Lagern steht, warum der Kühlschrank auch hier die falsche Wahl ist.

Häufig gestellte Fragen

Wo kann man Dubai-Schokolade kaufen?

Inzwischen führen viele Supermärkte und Discounter eigene Varianten, meist saisonal und in wechselnden Mengen — verlässlich planen lässt sich das nicht. Dauerhaft verfügbar sind Markenprodukte wie die Dubai-Style-Tafeln von Lindt sowie zahlreiche Angebote im Onlinehandel. Wer das Original von FIX Dessert Chocolatier aus Dubai möchte, kommt in Deutschland regulär nicht heran: Es wird nur zeitweise über eine App in Dubai selbst verkauft. Alles, was hierzulande im Regal liegt, ist eine Interpretation dieser Idee.

Warum heißt es „Dubai Style" und nicht „Dubai Schokolade"?

Weil deutsche Gerichte den Namen als geografische Herkunftsangabe einstufen. Das Oberlandesgericht Köln entschied am 27. Juni 2025 in mehreren Eilverfahren (unter anderem Az. 6 U 52/25), dass in der Türkei hergestellte Schokolade nicht als „Dubai-Schokolade" verkauft werden darf — auch dann nicht, wenn das tatsächliche Herkunftsland auf der Packung steht. Viele Hersteller sind deshalb auf Bezeichnungen wie „Dubai Style" ausgewichen, die auf die Machart statt auf die Herkunft verweisen. Hinweis: Es handelt sich um Entscheidungen im Eilverfahren; ein abschließendes Hauptsacheurteil ist uns nicht bekannt.

Was ist Engelshaar beziehungsweise Kadayif?

Kadayif — auch Kataifi geschrieben, im Deutschen „Engelshaar" — sind hauchdünne Teigfäden aus Weizenmehl. Sie stammen aus der türkischen und nahöstlichen Küche und sind dort traditionell die Grundlage für Süßspeisen wie Künefe und Baklava. Für die Füllung werden sie klein gebrochen und in Butter goldbraun geröstet; erst dadurch entsteht der knusprige Biss, der den Reiz der Schokolade ausmacht. Zu finden sind sie in türkischen und orientalischen Supermärkten, in griechischen Feinkostläden unter „Kataifi" sowie online.

Wie lange hält selbst gemachte Dubai-Style-Schokolade?

Deutlich kürzer als gekaufte Tafeln. Das geröstete Kadayif zieht mit der Zeit Feuchtigkeit aus der Füllung und verliert seinen Biss — nach etwa einer Woche ist der Knusper-Effekt meist dahin. Kühl und trocken gelagert, aber nicht im Kühlschrank, hält sie sich rund ein bis zwei Wochen. Am besten schmeckt sie in den ersten Tagen.

Braucht man Tahini für das Rezept?

Nötig ist es nicht, aber es lohnt sich. Im Original gehört Tahini — also Sesampaste — zur Füllung. Sie bringt eine leicht herbe, erdige Note und nimmt der Pistaziencreme etwas von ihrer Süße. Ein bis zwei Teelöffel genügen. Wer keine im Haus hat, lässt sie weg; die Füllung wird dann süßer und nussiger im Geschmack.